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Dreitagebart & Co: eine Charakterfrage

Bärte waren und sind ein Ausdruck von Individualität und verraten auch etwas über ihre Träger. Im 19. Jahrhundert galt es als selbstverständlich, dass gestandene Männer einen ausdrucksstarken Bart besaßen. Das hat sich inzwischen gewandelt: Bartträger sind in der Minderheit, die Erscheinungsformen der gepflegten Gesichtsbehaarung sind höchst unterschiedlich. Was Bartträger eint, hat eine Hamburger Studie im letzten Jahr bei 525 Männern untersucht: Der Bart schärft das Persönlichkeitsprofil und hilft bei der Darstellung der eigenen Männlichkeit.

Bartträger
Bartträger

So möchten 77% der Träger mit einem Bart ihre Individualität betonen. Das mag jeder Mann nachvollziehen, der im Urlaub oder am Wochenende auf die Rasur verzichtet, die im Berufsalltag meist verlangt wird. Laut Untersuchung stellt die tägliche Rasur eine "Beschwichtigungsgeste" dar, die dazu diene, sich in der modernen Arbeitswelt anzupassen. Anzug, Hemd und geputzte Schuhe haben denselben Effekt und tragen dazu bei, gepflegt und überzeugend zu wirken.

Mann mit DreitagebartDer Dreitagebart gilt als unkonventionell, obwohl er gerne kultiviert wird. Interessanterweise erscheint diese Bartform bei Männern als die attraktivste Variante - ästhetisch durchaus erklärbar: Vollbart und Dreitagebart vergrößern die untere Gesichtspartie und das Kinn, so dass die Träger energischer und durchsetzungsfähiger wirken.

Auch die moderneren Varianten in Form von kleinen Bärten verlängern das Gesicht und lassen Mund- und Kinnpartie dominanter erscheinen. Laut der Studie hat dies auch einen Einfluss auf die Kommunikation. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, stärkeren Blickkontakten ausgesetzt zu sein. Mehr als ein Viertel aller Teilnehmer meinte sogar, anhand der Optik eines Bartes auf die soziale Stellung seines Trägers schließen zu können. Offensichtlich ist meist weniger die Individualität als die Verbesserung der eigenen Attraktivität ein wichtiges Motiv für Bartträger.

Das Gerücht, ein voller Bartwuchs zeuge von verstärkter Potenz hält sich hartnäckig. Das ist nicht überraschend, gilt doch nach wie vor für etwa ein Drittel aller Männer über 60 Jahre ein starker Bartwuchs wie volles Kopfhaar als Zeichen von Kraft und Gesundheit. Dementsprechend dient oft auch eine beginnende Glatzenbildung als Auslöser dafür, dass Mann sich einen Bart zulegt. Bislang gibt es jedoch keinerlei Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Haarwuchs und der Potenz. Vielmehr beruht der Irrglaube auf der Annahme, viel Haar stehe für Jugendlichkeit. Doch entscheidend ist allein die Leistungsfähigkeit im Bett, und die ist unter anderem vom Sexualpartner, der Libido des Mannes und seiner Erektionsfähigkeit abhängig. Da hilft ein Bart nicht mehr als ein glatt rasiertes Kinn. Frauen sind diesbezüglich übrigens wesentlich unvoreingenommener: sie bewerten den Bart eher als Frage des persönlichen Geschmacks und nicht als Signal für männliche Potenz. In diesem Sinne zweifellos der vernünftigste Gedanke.

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