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Der Orgasmus: Geheimnisvolle Belohnung des Körpers?
Der Puls und der Atem gehen immer schneller, der Blutdruck steigt - der
sexuelle Höhepunkt ist erreicht. Die hier beschriebenen Merkmale kennt
jeder von uns. Männer und Frauen erleben sie vom Vorspiel bis hin zum
Orgasmus. Doch was genau geht in diesen Sekunden des Glücks in unseren
Gehirnen vor?
Am Anfang - während der sogenannten Erregungsphase - sind sich das männliche und das weibliche Gehirn noch sehr einig: Es werden Bereiche stimuliert die Glücksempfinden und andere positive Emotionen auslösen. Gleichzeitig werden die Regionen im Gehirn gehemmt, die für kritisches Denken, Aufmerksamkeit oder Angst zuständig sind. So können wir uns voll und ganz fallen lassen und die Leidenschaft genießen. Im Bereich des sogenannten Belohnungssystems werden Signale an die Nervenzellen gesendet und diese schütten körpereigene Glücksstoffe wie Dopamin aus. Wir fühlen uns wohl und sicher.
Kurz vor dem Höhepunkt erkennt man die Vorsehung der Natur am deutlichsten: Beim Mann werden älteste und primitivste Hirnregionen aktiviert und er folgt dem uns alle erhaltenden Paarungstrieb. Bei Frauen werden dagegen Bereiche in Gang gesetzt, die für vernünftiges Denken verantwortlich sind. Das galt bereits in frühster Zeit auch der Selbsterhaltung: wachsam und auf der Hut blendete so wenigstens einer der Partner die Außenwelt nicht komplett aus.
In der Evolutionsbiologie gibt es die unterschiedlichsten Theorien, warum
Frauen überhaupt einen Orgasmus erleben. Denn dieser scheint für
die Fortpflanzung nicht unmittelbar notwendig zu sein. Eine dieser Theorien
geht davon aus, dass der Wunsch nach Wiederholung des Liebesaktes - auch
bei der Frau - dem Fortbestand der Menschheit diene. Eine andere schreibt
dem weiblichen Höhepunkt nur eine Nebenrolle neben dem Hauptdarsteller "männlicher
Orgasmus" zu. Ähnlich wie beispielsweise männliche Brustwarzen,
obwohl nur Frauen sie wirklich brauchen.
Verschiedene Forscher haben nun einen ganz anderen Ansatz zur Erklärung
des weiblichen Glücksmoments beim Liebesspiel. Danach ist der
durchaus als unzuverlässig zu bezeichnende Orgasmus der Frau nur
ein Instrument, um die Hingabe des Mannes zu messen. Ein egoistischer
Partner, der nur auf sich selbst bedacht ist und nicht die Geduld für
das weibliche Glück aufbringt, ist - so vermutet die Wissenschaft - auch
ein schlechter Vater. Schon die Urfrau fühlte sich den Forschungsergebnissen
zufolge zu einem Partner hingezogen, der sie geduldig, treu und zuverlässig
in der Versorgung der Kinder unterstützte und so zum Überleben
der Nachkommen beitrug.
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